
Der Schreibprozess
Wie aus Ideen Geschichten werden
Der Anfgang
Nachdem ich mir von Irgendwo eine Idee oder ein Ziel gesucht habe, und dieses zu einer Notiz oder einer kurzen Memo wurde, warte ich.
Ich warte, bis sich mehrere der Ideen zusammenfinden, wie Motten um eine Lampe in einer schwülen Sommernacht. Dann, nachdem etwas Zeit verstrichen ist, trage ich all diese Notizen zusammen und sichte sie.
Dabei wird teils stark aussortiert, denn viele meiner Notizen sind so kryptisch verfasst worden, dass ich Wochen später nicht mehr weiß, was das bedeutet.
Auch gleiche ich Ideen ab, denn oft kommt es vor, dass viele meiner Ideen sich gleichen, oder ergänzen.
Das ist dann oft ein Zeichen, dass es sich um eine... präsentere Idee handelt.
Wenn ich ausgemistet und zusammengefasst habe, breite ich die Ideen vor mir aus, als würde ich Solitär spielen.
Ich ordne sie mit meiner bereits bestehenden Weltstruktur und ZeitLinie ab, und bilde aus ihnen kleine Grüppchen.
Dann nehme ich mir diese Grüppchen vor und überlege, ob und wie ich sie in die Geschichte einweben will. Manche fliegen auch hier wieder raus, da es sein kann, dass eine Idee dem geplanten Handlungsstrang im Weg steht, andere werden zur Seite genommen, um sie in Späteren Momenten erneut herauszukramen.
Erst dann, wenn ich mir sicher bin, was und wie ich alles zusammen einbinden kann, geht es an die eigentliche Arbeit



Das Formen
Wie sich ein roter Faden spinnt
Das verbinden der Punkte
Es gibt verschiedene Szenarien, in denen ich aus Ideen eine Geschichte verfasse. Entweder es passiert, bevor auch nur ein Wort im Manuskript steht, oder aber, wenn ich schon mitten im Text oder gar kurz vor dem Ende stehe. Ich hatte auch schon Ideen, welche nach Fertigstellung noch dringend in das Manuskript mussten.
So oder so, schreibe ich dann einfach los. In meinem Kopf hat sich die Hauptgeschichte schon gebildet. Ich habe einen groben Plan, wo ich hin will. Es ist, als wäre mein Hirn in dem Moment wie ein Navi. Ich weiß wo ich stehe und wo ich am Ende sein will, und berechne den Weg. Die ganzen Ideen sind so etwas, wie zwischenstopps. Ich möchte, dass Dies oder Jenes auf dem Weg von A-Z passiert.
Um meine Geschichten so zu schreiben, dass sie mir auch beim Schreibprozess Spaß machen, ist es mir wichtig, nicht zu "steamrollen"
Ich kenne meine Figuren und Charaktere, nehmen wir zum Beispiel Jin aus Chroniken von Balathar - Avulsion des Wassers. Die Figur ist zu Beginn des Buches stolz. Er hat einen klaren Moralkompass und eine Vorstellung, wer er sein will. Um dieses Ziel zu erreichen hält er eisern an seinem Bild von Gerechtigkeit fest.
Nun ist es meine Aufgabe, sein Umfeld so zu verändern, dass er an einen Gewissen Punkt kommt.
Ich kann nicht einfach sagen, dass er jetzt Caliana vertraut. Das gibt keinen Sinn. Also verändere ich die Umgebung, die Einflüsse und Ereignisse, bis es logisch für ihn ist, sich so zu entscheiden.
Es ist nicht so, als würde ich eine Geschichte schreiben, sondern eher, als würde ich mit mir selbst ein Rollenspiel spielen. Oft wusste ich selbst nicht, wie sich eine Szene entwickelt, bis ich sie zum ersten Mal geschrieben hatte. Es macht unglaublich viel Spaß, mit seinen Figuren gemeinsam die Welt und die Abenteuer zu erleben.
Am Ende gebe ich natürlich die grobe Richtung vor. Ich will, dass X stirbt, ich will, dass Y an einen bestimmten Ort geht oder dass sich zwei hassen, aber was auf dem Weg dahin passiert, das überrascht mich oft selbst.


Der Lange Weg zum Text
Wie etwas gebaut wird, um es zu zerstören
Der Prozess

Viele Autoren schwören darauf, sich mehr oder weniger den Plot vorzugeben und dann Schicht für Schicht literarisches Fleisch auf ihr Ideenskelet zu packen.
Das muss eine sehr schöne, angenehme und effiziente Art sein, seine Geschichte zu schreiben. Ich kann das leider nicht.
Stattdessen passiert es mir immer wieder, dass ich Tage oder Wochen an einer Stelle arbeite, die ich dann löschen muss, da sie mir später im Weg ist.
Das Erste Manuskript, das ich jemals geschrieben habe, war auf 50.000 Wörtern, als ich es komplett löschte und neu anfing. Zu viele Wege waren nicht gelaufen, wie gehofft.
Aber nun wusste ich etwas klarer, wo ich hinwollte.
Und so schrieb ich die Zweite Version klarer, diese fand sogar zu einem Ende, und erreichte knapp eine Million Zeichen, ehe ich auch sie löschte.
Oft lösche ich Absätze, Abschnitte oder ganze Kapitel. Oder ich überspringe Stellen, die ich noch nicht klar genug sehe, nur um sie später ganz anders zu schreiben.
Dadurch wächst das Manuskript wild, so wie ein Busch ohne Gärtner.
Aber genau das ist es, was mir Spaß macht. Schreiben fühlt sich nie wie Arbeit an, und ich weiß, ich kann immer, jederzeit alles löschen.
Ich erlebe Abenteuer, überrasche mich selbst und lache mit meinen Figuren.
Manchmal gehe ich so tief in die Szene, dass ich die Mimik der Figuren während dem Schreiben nachstelle oder ganze Dialoge laut spreche, um zu sehen wie sie wirken und auch, um sie zu erleben.
Für mein erstes Buch, welches grob 80.000 Wörter umfasst, habe ich gesamt in etwas 2 Millionen Wörter geschrieben, dabei sind Hintergrundnotizen und Seitenweise Weltbau noch nicht mitgerechnet.
Aber obwohl genau das mich frustrieren oder zweifeln lassen sollte, tut es das Gegenteil. Es nimmt mir die Angst vor dem Endgültigen und beflügelt mich, es immer und immer wieder zu versuchen.
